Dawn-Phänomen

Dieser Artikel geht schon ziemlich in die Tiefe - ein kleiner "Deep Dive". Im Laufe der letzten Monate habe ich wahnsinnig viele interessante Sachen gelernt, die man nicht unbedingt braucht, um seinen pelzigen Diabetiker gut zu versorgen. Aber es kann doch helfen, noch mehr über die Hintergründe zu verstehen - und ich finde, es macht auch echt Spaß 😃

Diabetes bei Hunden ist der Diabetes beim Menschen in vielen Punkten sehr ähnlich - so auch hier. Das Dawn-Phänomen hat seinen Namen vom Tageszeitpunkt, an dem es auftritt: Morgens, meist kurz nach dem Aufstehen.

"Dawn" ist Englisch und bedeutet Morgendämmerung.

Obwohl man über Nacht ja keine Kohlenhydrate zu sich genommen hat, kann der Blutzucker nach dem Aufstehen plötzlich ansteigen. Dafür gibt es zwei Gründe:

  1. Bestimmte Hormone (z. B. Cortisol) werden morgens vermehrt ausgeschüttet. Sie verringern unter anderem die Wirksamkeit von Insulin, dienen aber eigentlich dazu, dass wir morgens aufwachen und Energie für den Start in den Tag bekommen.
  2. Die Leber gibt Zucker aus ihren Speichern frei. Auch das dient dazu, Schwung und Energie zu bekommen.

Beim gesunden Lebewesen ist das als Teil des Tag-Nacht-Rhythmus sehr praktisch. Bei Diabetikern fehlt dem Körper aber die Möglichkeit, selbst mit mehr Insulin gegenzusteuern - der Blutzucker steigt an.

Und was kann man dagegen tun?

Gegen die Vorgänge an sich kann man erstmal nicht wirklich etwas tun. Der Tag-Nacht-Rhythmus erfüllt viele Funktionen - und ein regelmäßiger Tagesablauf hilft sehr bei der Behandlung von Diabetes. Wenn man ungefähr weiß, wann welche Vorgänge im Körper passieren, kann man versuchen, den Alltag danach auszurichten.

Da der Körper weniger empfindlich auf Insulin reagiert, kann man die abendliche Insulindosis etwas erhöhen. Aber nur, wenn dadurch nachts keine Unterzuckerungen auftreten! Das kann realistisch nur mit einem CGM-System festgestellt werden. Nachts stündlich den Blutzucker händisch zu messen, ist nicht nur sehr anstrengend, sondern bringt natürlich auch den Hund und seinen Rhythmus durcheinander.

Wie immer gilt hier: Erst Tierarzt/Tierärztin fragen!

Eine andere Möglichkeit ist, die Insulindosis morgens schon etwas früher zu spritzen. Bewegung hilft meiner Erfahrung nach morgens leider nur bedingt, kann aber abends helfen vor dem Schlafen gehen helfen. Eine kleine Löserunde kann den Blutzucker auch schon senken und damit die "Startlinie", von der das Dawn-Phänomen startet, nach unten schieben. Im Ergebnis liegt die Spitze des Blutzuckeranstiegs ebenfalls niedriger. Aber auch hier gilt: Nächtliche Unterzuckerungen vermeiden!

Hohe Werte morgens - weitere Ursachen

Wir befinden uns hier in einem (zumindest bei der Diabetes-Behandlung von Hunden) sehr fortgeschrittenen Bereich. Betrachte die Information zum Dawn-Phänomen also eher als Wissen, um Dich nicht von scheinbar unerklärlichen hohen Werten morgens verrückt machen zu lassen! Lieber erstmal etwas höhere Werte in Kauf nehmen, mit ExpertInnen besprechen, nachdenken, und dann vorsichtig optimieren, als Unterzuckerungen in Kauf zu nehmen.

Leider gibt es nämlich noch andere Ursachen, die zu hohen Werten am Morgen führen können und die teilweise völlig gegensätzlich Maßnahmen erfordern. Z. B. der Somogyi-Effekt!

Dawn-Phänomen - diabetes-news
(engl. dawn = Morgendämmerung) Blutzuckeranstieg in den frühen Morgenstunden. Dawn-Phänomene sind dadurch gekennzeichnet, dass der Blutzucker gegen Mitternacht gut liegt, in den frühen Morgenstunden (etwa ab 4 Uhr) jedoch sehr schnell ansteigt. Es resultiert folglich ein hoher Nüchternblutzucker. Die Ursache des Dawn-Phänomens ist unter anderem eine verstärkte Ausschüttung von verschiedenen Hormonen in der Nacht sowie... mehr
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