Diabetes-Warnhund - ein Teaser
Sonntagabend, 22:30 Uhr. Ich sitze bei unangenehm hohen Temperaturen am Schreibtisch und bastele nach einer langen Woche an einem neuen Blogbeitrag über das Anbringen von Sensoren.
Kira liegt nebenan im Wohnzimmer auf der Couch, wir waren vor dem Abendessen nochmal zum Abkühlen am Bach und haben ihren Hundekumpel zum Spielen getroffen. Ich grübele über der Struktur des neuen Beitrags, als Kira rübertapst, sich neben mich setzt und erwartungswoll mit der Rute wedelt. Ungewöhnlich - abends liegt sie eigentlich dösend in der Gegend rum, stupsig ist sie sonst nur, wenn sie findet, dass es langsam Zeit für die nächste Gassirunde oder Abendessen ist.
Sie will offensichtlich irgendwas - gekrault werden ist es nicht. Kira steht auf, ich folge ihr in die Küche und habe schon einen leisen Verdacht. "Was ist?" frage ich sie. Sie setzt sich hin und wedelt mit der Pfote - ihr Anzeigeverhalten für Unterzucker!
Ich gebe ihr sofort ein halbes Stück Traubenzucker, dann messe ich zur Kontrolle im Ohr. 3,7 mmol/l (67 mg/dl) - knapp unter der Grenze zur Unterzuckerung. Ihr Sensor hatte keinen Kontakt zum Empfänger, weil sie nebenan war. Kurze Zeit später ist sie auch schon wieder im Zielbereich.
Ich bin mächtig stolz auf Kira!
Das ist das erste Mal, dass sie selbstständig in der Wohnung angezeigt hat. Draußen unterzuckert sie durch die Bewegung häufiger mal - entsprechend hat sie dort mehr Übung. Wenn sie zuhause unterzuckert, sinkt ihr Blutzucker auch häufig langsamer als der krasse Absturz, den er oft durch die Bewegung hat. Das scheint ihr deutlich schwerer zu fallen, das zu bemerken. Außerdem ist sie draußen aktiv und interagiert mit mir - drinnen machen wir alle so unser Ding. Kira döst und guckt, ob jemand zum Kühlschrank geht 😉
Anmerken tut man Kira sonst übrigens fast überhaupt nichts, egal, was ihr Blutzucker macht. Sie wuselt so lange durch die Gegend, bis sie sich wirklich nicht mehr auf den Beinen halten kann und plötzlich umkippt. Da ist sie dann meistens schon unter 2,2 mmol/l (40 mg/dl) - Werte, die alles andere als ungefährlich sind.
Wir haben also angefangen, ihr beizubringen, uns aktiv Bescheid zu geben, wenn sie unterzuckert. Ich habe ewig überlegt, wie ich es angehen könnte, sogar bei Assistenzhundetrainer:innen angefragt, ob die Ideen haben. Vor einem halben Jahr habe ich dann kurzerhand auf gut Glück mit dem Training angefangen.
Inzwischen zeigt Kira erstaunlich zuverlässig an, was trotz Sensor enorm hilfreich ist (wie man heute gesehen hat).
Ich will da die ganze Zeit schon einen Artikel zu schreiben, aber komme nicht dazu. Aber wenigstens dieses gar nicht so kleine Erfolgserlebnis wollte ich jetzt direkt teilen!