Wie setze ich einen CGM-Sensor?
CGM-Sensoren (engl.: Continuous Glucose Monitoring = Kontinuierliche Glukosemessung) sind im Diabetes-Management beim Menschen weit verbreitet. Auch beim Hund können sie eine tolle Hilfe sein, da sie einen bis zu 2 Wochen lang 24h am Tag mit Blutzuckerwerten versorgen.
Wenn man sich für einen Anbieter entschieden hat und der Sensor endlich angekommen ist, kommt das Setzen des Sensors. Ich hatte beim ersten Mal große Bedenken, wie Kira reagieren würde. Zum Glück war meine Mutter gerade zu Besuch und war genauso gespannt und neugierig wie ich. Ich durfte sie als Versuchskaninchen nutzen und den ersten Sensor bei ihr setzen - siehe da, es scheint wirklich nicht wehzutun! Vielleicht ein kurzer Piks, aber nicht schlimmer als der Piks bei einer Impfung.
Kira hat das ganze Prozedere (wie immer 😄) sehr tapfer mitgemacht und ist inzwischen richtiger Profi. Ohne die Aufwärmzeit am Ende rechne ich zum Setzen eines neuen Sensors mit ca. 10 bis 20 Minuten. Hier einmal kurz die Schritte:
- alle Sachen bereitlegen
- Fell an einer Stelle abrasieren
- Stelle reinigen, desinfizieren und trocknen lassen
- Sensor mit Applikator setzen und aktivieren
- ggf. bis zu 1h warten für die ersten Werte
Falls Du Dich fragst, welchen Sensor Du überhaupt nehmen sollst, findest Du hier meinen Erfahrungsbericht zu den beiden Sensoren, die ich bisher getestet habe:
kiras-blog.de/freestyle-libre-3-plus-erfahrungsbericht-beim-hund
kiras-blog.de/dexcom-g7-erfahrungsbericht-beim-hund
Vorbereitung

Zuerst müssen natürlich alle Sachen bereitliegen. Dazu gehören bei mir:
- Leckerlis! Ganz wichtig, besonders am Anfang.
- ein Rasierapparat oder ein Rasierhobel. Ich verwende meist beides.
- Desinfektionsspray
- Kompressen oder Ähnliches zum Sauber machen
- den Sensor natürlich 😄
- und entweder das Lesegerät oder das Handy mit der gestarteten App
Ich rasiere üblicherweise draußen, wegen der Haare, da haben wir zum Glück auch eine Steckdose für den Rasierapparat. Außerdem finde ich es am einfachsten, wenn der Hund während der Prozedur sitzt. Dann ist die Haut am Rücken schon etwas gestrafft und man kommt gut dran.

Rasieren
Der Sensor muss auf der nackten Haut sitzen, damit das Filament komplett unter der Haut sitzt und der Kleber des Sensors hält. Das ist beim Menschen naturgemäß einfacher als beim Hund.
Die rasierte Fläche muss natürlich groß genug sein, dass der Sensor genug Platz hat. Die Größe unterscheidet sich zwischen den Anbietern - beim ersten Mal würde ich ruhig etwas großzügiger rasieren. Der Sensor sitzt ja noch im Applikator, ein direkter Größenvergleich ist also schwierig, wenn man den noch nie in echt gesehen hat.
Übrigens: Das Fell wächst schneller nach als man denkt. Bei Kira mit dem schwarzen Fell und der hellen Haut sieht man die frisch rasierte Stelle natürlich sehr. Aber nach zwei Wochen Tragezeit ist schon wieder ein deutlicher Flaum gewachsen (der leider auch den Sensor rausschiebt...).



Je nachdem, wie das Fell liegt, sieht man den Sensor kaum (hier der Freestyle Libre 3 Plus). Wenn der Sensor schon seit ein paar Tagen angebracht ist, wächst auch schon das Fell wieder nach.
Außerdem muss man sich für eine Stelle entscheiden. Beim Menschen wird der Sensor fast immer an der Rückseite des Oberarms gesetzt (also da, wo der Trizeps ist). Dort stößt man selten irgendwo an und man hat genug Unterhautfettgewebe. Das Filament ist ca. 5mm lang und "schwimmt" quasi in der Haut, sollte also nicht direkt in einem Muskel sitzen, der sich ja bewegt.
Ich habe den Sensor bei Kira bisher immer hinterm Schulterblatt am oberen Rücken angebracht. Die ist für mich der beste Kompromiss aus den folgenden Kriterien:
- möglichst wenig Bewegung in der Haut
- der Hund kommt weder zum Kratzen noch zum Knabbern besonders gut dran
- Geschirr, Halsband etc. drücken/reiben nicht
- man kommt gut dran, sowohl beim Setzen als auch zur Kontrolle zwischendrin
- das Fell lässt sich zumindest bei Kira ganz gut drüberlegen, um den Sensor zusätzlich ein bisschen zu schützen
Bei Katzen wird wohl auch gerne der Nacken verwendet, wenn Dein Hund kein Halsband trägt, ist das sicher auch eine Option.
Desinfizieren
Als nächstes wird die Stelle desinfiziert. Also mehrmals Desinfektionsmittel (für Wunden! Keins für Oberflächen oder so) aufsprühen, mit den Kompressen abwischen und wieder welches draufsprühen und das ein paar Male. So wischt man auch gut die übrigen Haare ab (und das sind dann doch immer einige).
Das Desinfizieren ist nicht nur wichtig, damit sich die Stelle nicht entzündet. Immerhin sitzt ja dann in der Haut ein Filament und wenn auf der Oberfläche noch Keime sind, könnten die am Filament unter die Haut gelangen.

Tatsächlich ist es aber noch aus einem anderen Grund sinnvoll: Der Sensor hält deutlich besser und länger. Hundehaut ist deutlich fettiger als menschliche Haut und mit dem Desinfektionsmittel kann man einiges an Fett entfernen. Neben den losen Härchen, die man nebenbei auch entfernt.
Was Du noch tun kannst, damit der Sensor an Deinem Hund nicht schon nach ein paar Tagen abfällt, sondern möglichst nah an die zwei Wochen Tragedauer kommt, erfährst Du hier:
kiras-blog.de/der-sensor-halt-nicht-was-kann-ich-tun
Ich sprühe nach ein paar Mal abwischen immer nochmal Desinfektionsspray drauf und lasse das trocknen, bevor ich den Sensor setze. Da kann Kira nochmal im Garten herumschnuffeln oder ich setze ihn später in der Wohnung.
Sensor setzen
Jetzt kommt der wirklich aufregende Teil: Den Sensor anbringen!
Bei verschiedenen Marken ist das Vorgehen minimal unterschiedlich, aber das Prinzip ist eigentlich immer das Gleiche.
- den Applikator aufschrauben
- gucken, wie groß der Sensor ist und wo genau man den auf der rasierten Fläche anbringen möchte
- Applikator aufsetzen und auslösen
- Applikator vorsichtig entfernen und Sensor nochmal andrücken und prüfen
Beim Freestyle Libre 3 Plus muss der Applikator einfach runtergedrückt werden und löst dann aus. Beim DexCom G7 gibt es am Applikator einen Knopf, der zum Auslösen gedrückt wird.


Der Dexcom G7-Applikator geöffnet, links noch mit dem Sensor und der feinen Nadel, die das Filament in die Haut schiebt. Rechts im ausgelösten Zustand nach dem Setzen des Sensors.
Es kann etwas frickelig sein, den Applikator dann zu entfernen, ohne zu sehr am Sensor zu ziehen. Da also wirklich vorsichtig sein und gucken und ein bisschen wackeln, bevor man den frisch gesetzten Sensor direkt wieder abrupft.
Kira hält da zum Glück wahnsinnig brav still - bei anderen Hunden ist vielleicht eine zweite Person nötig, die den Hund mit Leckerlis bestechen und zur Not festhalten kann.
Aktivieren und erste Werte
Okay, ich habe zwar eben geschrieben, das Sensor setzen wäre aufregend... Aber die ersten Werte sind mindestens genauso aufregend!
Zuerst muss der Sensor mit einem Empfänger verbunden werden. Das kann entweder das Lesegerät vom Sensor-Hersteller sein oder man verwendet das eigene Handy. Ich verwende inzwischen fast nur noch das Lesegerät, weil ich das Hendrik oder Freunden oder der Hundesitterin einfach mitgeben kann, wenn Kira mit ihnen unterwegs ist. (Außerdem habe ich mein Handy fast immer stumm und im Ultra-Stromsparmodus mit beschränkter App-Auswahl und so weiter...)
Danach folgt eine "Aufwärmzeit", in der der Sensor sich kalibriert und prüft, ob alles so ist wie es sein soll. Die dauert ca. 20 bis 60 Minuten.
Dann gibt es endlich die ersten Werte! Je nach Sensormodell sollte man denen die ersten Stunden nicht all zu viel Bedeutung zumessen. Idealerweise misst man regelmäßig mit dem Blutzuckermessgerät seines Vertrauens und vergleicht die Werte. Dann kriegt man ein Gefühl dafür, wie weit die Werte auseinanderliegen.
Falls man ein Blutzuckermessgerät für Menschen nutzt, ist es nicht ungewöhnlich, dass die Sensoren etwas höhere Werte messen. Die üblicherweise sogar näher an den wahren Werten liegen!
Fazit
Ich bin inzwischen großer Fan davon, CGM-Sensoren auch bei Hunden zu nutzen. Noch gibt es meines Wissens nach keine, die speziell für Hunde gemacht sind, die auf dem Markt verfügbaren Sensoren sind aber für meine Anforderungen gut genug.
Ich möchte die Möglichkeit besonders für Urlaube, in denen der Alltag durcheinander gebracht wird, nicht mehr missen. Und ich hoffe, dass Du Dich mit der Anleitung auch traust, einen CGM-Sensor auszuprobieren! Vielleicht hilft er Dir und Deinem Hund so, wie er Kira und uns geholfen hat.