Der Sensor hält nicht - was kann ich tun?

Die ersten Sensoren haben bei Kira maximal eine Woche gehalten, und Kira stört sich nicht wirklich an den Sensoren. Den einen oder anderen habe ich dann Tage oder sogar Wochen später im Garten gefunden - sie wälzt sich leidenschaftlich gerne beim Spielen. Das macht der Sensor nicht immer mit 😉

Das Ganze geht ziemlich schnell ins Geld und kann wirklich frustrierend sein. Die Sensoren sind mit den 70-90 € pro Stück ohnehin schon reichlich teuer. Wenn sie dann statt der möglichen zwei Wochen nur eine halten, kostet einen der riesige Vorteil im Alltag schnell 10€ pro Tag. Das sind knapp 300€ pro Monat - nur für Sensoren!

Außerdem kostet das Sensor setzen ja dann doch auch ein bisschen Zeit und Muße

Aber warum ist das beim Hund überhaupt so ein Problem? Beim Menschen hält's doch auch?

Menschen bewegen sich eher selten so intensiv, wie Kira das auf den meisten Gassirunden tut... 😜 Hinzu kommt, dass Hundehaut anscheinend fettiger ist als menschliche Haut - der Kleber hält also ohnehin schon nicht so gut. Außerdem, wer hätte es gedacht: Hunde haben Fell. Und das wächst doch schneller als man erwarten würde. Zumindest bei Kira mit ihrem noch recht "ursprünglichen" doppeltem Schäferhundfell schiebt nach ein paar Tagen schon Fell nach.

Trotzdem kennen auch viele menschliche Diabetiker das Problem, dass die Sensoren nicht so lange halten, wie sie sollen. Einige Tipps habe ich mir aus Diabetiker-Foren "abgeschaut" und für den Hund abgewandelt ausprobiert.

Inzwischen halten die meisten Sensoren bei uns die vollen zwei Wochen. Damit Dir die Ausprobier-Phase erspart bleibt, kommen hier meine Tests und Empfehlungen, wie der Sensor möglichst lange am Hund hält:

Vorbereitung - Rasieren und Desinfizieren

Das macht schon sehr viel aus: Die Fläche, wo der Sensor kleben soll, sollte frisch rasiert sein. Auf Fell hält der Sensor wenig überraschend quasi gar nicht und der Abstand zwischen Haut und Sensor ist schnell zu groß. Dann zieht sich das Filament, das den Zucker messen soll, aus dem Gewebe und der Sensor fällt aus.

Außerdem: Desinfizieren. Und zwar mit einem alkoholischen Desinfektionsmittel - da bekommt man relativ günstig große Flaschen in der Drogerie. Damit sprühe ich einmal die rasierte Fläche ein, wische die mit einer Kompresse ab, um abrasierte Haare und Fett zu entfernen. Dann sprühe ich die Fläche nochmal ein und lasse sie trocknen (ca. 10 Minuten). Danach kommt der Sensor drauf:

Wie setze ich einen CGM-Sensor?
CGM-Sensoren (engl.: Continuous Glucose Monitoring = Kontinuierliche Glukosemessung) sind im Diabetes-Management beim Menschen weit verbreitet. Auch beim Hund können sie eine tolle Hilfe sein, da sie einen bis zu 2 Wochen lang 24h am Tag mit Blutzuckerwerten versorgen. Wenn man sich für einen Anbieter entschieden hat und der Sensor endlich angekommen

Verband drumwickeln

Es gibt für Sensoren beim Menschen mit dem gleichen Problem eine Art Armbinde, mit der man den Sensor zusätzlich fixieren kann. Der Durchmesser ist aber natürlich für einen menschlichen Oberarm gemacht - für einen kleinen Hund könnte das eine Option sein, aber Kiras Brustkorb ist da definitiv zu groß für.

Deswegen behelfe ich mir manchmal selbst und wickle ihr eine Mullbinde um den Brustkorb. Damit die nicht nach hinten rutscht, mache ich auch eine Wicklung über kreuz nach vorne zwischen den Vorderbeinen durch. Bei Gelegenheit mache ich davon noch ein Foto 😄

Sprühpflaster

Sprühpflaster dient eigentlich dem Abdecken von Wunden - wie ein normales Pflaster, aber flexibel und eben zum Sprühen. Das Sprühpflaster dient also als Barriere zwischen der (in diesem Fall unverletzten!) Haut und der Klebefläche des Sensors.

Damit hat der Sensor meiner Erfahrung nach eine etwas bessere Haftung - vor allem beim Dexcom G7 habe ich diesen Eindruck. Beim FreeStyle Libre 3 scheint das Sprühpflaster nicht ganz so viel zu bringen.

Ein weiterer Vorteil: Die Haut wird etwas geschont. Manche reagieren empfindlich auf die Klebstoffe von den Sensoren, vertragen aber Sprühpflaster. Dann schützt die Barriere des Sprühpflasters auch die Haut vor dem Sensor-Klebstoff.

Hautkleber

Was in der "Diabetes-Community" recht gut zu funktionieren scheint, ist Hautkleber. Ich selbst habe nur das mit dem Sprühpflaster ausprobiert, es gibt aber auch richtigen Klebstoff. So ähnlich wie z. B. Kleber für künstliche Wimpern, solche Produkte werden gerne in der Maskenbildnerei verwendet, um irgendetwas am Körper festzukleben.

Diese Hautkleber bilden nicht nur eine Barriere zwischen Haut und Sensorkleber, sondern sind auch selbst klebrig. Es gibt verschiedene Darreichungsformen, was oft empfohlen wird, ist anscheinend SkinTac.

Überpflaster

Ein Überpflaster ist größer als der Sensor und wird darüber geklebt. Damit vergrößert sich die Klebefläche - was den Nachteil hat, dass man eine größere Fläche ausrasieren muss. Der Sensor alleine ist so klein, dass er von "normalem", relativ kurzem Fell verdeckt werden kann.

Wenn es stark regnet, kann das Deckhaar das Wasser ableiten - eine große, ausrasierte Fläche legt aber die Unterwolle frei, die sich dann leichter mit Wasser vollsaugen kann. Auch bei Sonnenschein muss man aufpassen: Ein Sonnenbrand ist schmerzhaft und sehr schädlich. Wenn also die ausrasierte Fläche zu groß ist, um vom Fell abgedeckt zu werden, und das Überpflaster die Haut darunter nicht mehr vor der Sonne schützt, würde ich an sonnigen Tagen zu Sonnencreme raten. Aufpassen: Der pH-Wert von Hundehaut ist anders als der von menschlicher Haut - deswegen gibt es spezielle Hundesonnencreme!

Als Überpflaster kann man einfach ein großes Abdeckpflaster aus der Drogerie nehmen. Ich habe es auch schon mit Pflasterstreifen versucht, die man quer über den Sensor klebt, war aber nicht so überzeugt davon (oder zu ungeschickt).

Es gibt auch spezielle Sensorpflaster, die dann eine Aussparung für den Sensor selbst haben. Eigentlich soll nämlich das kleine Loch im Sensor nicht überklebt werden. Beim Dexcom wird ein kleines Überpflaster in der Schachtel mitgeliefert. Das funktioniert auch wirklich super!

Mehr zu den Vor- und Nachteilen von den Sensoren, die ich bisher getestet habe, werde ich auch bald schreiben - wenn Du bestimmte Fragen hast, melde Dich gerne in den Kommentaren!

Wenn gar nichts hilft: Gewebekleber

Das sollte wirklich die allerletzte Option sein, wenn die ganzen anderen Sachen nicht geholfen haben und der Sensor immer nur wenige Tage hält: Gewebekleber.

Gewebekleber dient eigentlich dazu, Wundränder zusammenzukleben. Manche Wunden, die sonst genäht werden müssten, kann man dann damit verschließen. Das Problem: Er härtet stark aus und man muss im Umgang damit wirklich vorsichtig sein. Sonst kriegt man ganz schnell die Finger nicht mehr auseinander (dann hilft Vaseline, auch beim Entfernen des Sensors später).

Das starke Aushärten ist auch der Grund, warum ich diese Option nur sehr ungern empfehle. Die Haut kann sich dann nicht mehr flexibel bewegen und dehnen, wenn Dein Hund läuft. Der Sensor ist zwar absichtlich an einer Stelle angebracht, die sowieso wenig Bewegung hat, aber ich habe trotzdem den Eindruck, dass es Kira unangenehm ist, wenn dort die Haut die ganze Zeit "festgehalten" wird.

Das Aushärten selbst geschieht extrem schnell durch den Kontakt zu Haut oder Fell - und durch die chemische Reaktion erwärmt sich der Kleber ziemlich stark. Das ist natürlich auch unangenehm bis schmerzhaft - Du solltest also nur winzige Mengen verwenden und möglichst langsam! Ich ziehe meistens mit einer 1ml-Spritze (ohne Kanüle) ca. 0,1 ml auf, das reicht völlig aus.

Diese 0,1 ml tropfe ich dann vorsichtig an den Rand des normal angebrachten Sensors. Der Kleber zieht sich dann unter den Sensor und verbindet ihn super fest mit der Haut. Mit dem Gewebekleber hält der Sensor sogar oft länger am Hund als die Laufzeit von zwei Wochen! Um den Sensor dann zu entfernen, hilft Vaseline - damit reichlich den Rand des Sensors einreiben und ganz vorsichtig versuchen, Stück für Stück den Kleber zu lösen.

Surgibond ist ein Gewebekleber speziell für Tiere. Das kleine Fläschchen hält wirklich lange, da man sehr sparsam damit umgehen sollte!

Falls Du Dich für diese Variante entscheiden solltest, bedenke, dass das für Deinen Hund unangenehm sein kann. Wenn Dein Hund eher empfindlich ist, lass es lieber! Und, wie immer: Habe ganz viele tolle Leckerlis parat, um Deinem Hund die ganze Situation wenigstens so angenehm wie möglich zu machen 😊

Fazit und wie wir es machen

CGM-Sensoren sind leider ziemlich teuer - wenn sie dann nur wenige Tage halten, ist das ziemlich aufwendig und frustrierend. Ich hoffe, bei Deinem Hund halten die Sensoren von alleine schon möglichst lange - wenn nicht, hast Du hier bestimmt eine Möglichkeit gefunden, diese Dauer zu verlängern!

Uns hat am meisten die gründliche Vorbereitung mit Rasieren und Desinfizieren geholfen. Das Überpflaster von Dexcom funktioniert gut für bis zu ca. 10 Tage - der FreeStyle Libre hält ohne weitere Maßnahmen bei uns ungefähr eine Woche. Wenn sich die Ränder der Klebefläche abheben, tröpfele ich meistens eine winzige Menge Gewebekleber dort hin und kann so bei den meisten Sensoren die vollen zwei Wochen ausschöpfen.